AUSSTELLUNG: Rens Veltman – Bipeds

Eröffnung: Freitag, 13. Februar 2015, 20 Uhr

Einleitende Worte: Petra Noll, Kuratorin

Dauer: 14. Februar bis 28. März 2015

Öffnungszeiten: Do-Sa 17–20 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung

Rens Veltman arbeitet medienübergreifend in den Bereichen Grafik, Malerei, elektronische Kunst, Soundinstallation und Robotik. Die Ausstellung BIPEDS (Zweifüßler) besteht aus Kunstwerken, die sich verändern und am Ende zerstört werden. Zu sehen sind von Veltman programmierte Computerzeichnungen, ausgeführt von selbstgebauten Robotern, sowie von ihm gemalte Wandarbeiten. Auf einer Wand zeichnen bipedale, soundbetriebene Roboter auf dem Kopf stehende Einser (Eins ist mit Null die Basis jedes Computerprogramms), die in der Umkehrung aussehen wie animierte laufende Füße. Sie zeichnen während der Ausstellungsdauer an öfter veränderten Punkten auf den Wänden. Die in Klein-Gruppen angeordneten Roboter bewegen sich synchron und erzeugen zeitgleich ihr eigenes Duplikat. Auf einer weiteren Wand ist ein ebenfalls computergesteuerter Roboter aktiv. Er wird durch einen Schrittmotor angetrieben, der einen eigenen Sound abgibt. Veltman reduziert diesen Roboter auf das Zeichnen von (Computer-)Nullen und stellt damit die Frage nach seiner Kompetenz. Ist der Roboter nur Zwangsarbeiter. Ist er eine kreative Null? Veltman untersucht das Verhältnis von manueller und technologischer Bildproduktion, setzt Mensch und Maschine in eine Konkurrenz-Situation. Wer ist der Schöpfer? Was ist die künstlerische Handschrift wert? Was ist Kopie, was Original? Tatsächlich bleibt es bei einem Scheingefecht. Der Künstler als Operateur handelt souverän, er steuert, entscheidet, überwacht.

Wenngleich Veltman die Technik auch fasziniert, interessieren ihn in erster Linie die kognitiven Prozesse, die Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung und Existenz. Neben den Roboterzeichnungen sind Wandgemälde entstanden – zum einen ein großes gespachteltes Schokoladenbild – ein Lebensmittel, das Lust, Verführung und Genuss verspricht, aber auch Vergänglichkeit und Verfall inkludiert. Die verzogene runde Form des Gemäldes mit ihrer unruhigen, lebendigen Oberfläche hat etwas Existentielles, ist ebenso bedrohlich wie wunderschön, wirkt verloren und zugleich leicht schwebend auf der großen weißen Fläche. Bei der zweiten Wandmalerei, einem riesigen Quadrat, handelt es sich um eine mehrschichtige Ölmalerei, die sofort an Malewitschs schwarzes Quadrat denken lässt, seine Kunst der reinen Empfindung. Und man kann auch Veltmans Quadrat mit rein sinnlichem Zugang begegnen. Aber es kommt die zeitgenössische Komponente hinzu; sein Quadrat besteht auf der Herauslösung eines Pixels, eines digitalen Bildpunktes, und dessen vergrößerte Übertragung in Malerei, alles das, um künstlerische

Ausdrucksformen und Wahrnehmungsprobleme zu verhandeln. Der Raum wurde zu einem persönlichen Kosmos mit ganz eigener Ordnung – poetisch, sinnlich, emotional, auch wenn er zum Teil aus Rechenprozessen kreiert ist – , in dem der Besucher riechen, hören, schauen und denken kann.

Petra Noll, Kuratorin

 

Biografie Rens Veltman. Geboren 1952 in Schwaz/ AT, lebt und arbeitet dort. Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, an der Hochschule Mozarteum Salzburg und an der Hochschule für industrielle Gestaltung in Linz. 2012 Beteiligung am Österreich-Beitrag zur Architektur-Biennale in Venedig. 2011 Tiroler Landespreis für zeitgenössische Kunst. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt u.a.: 2014 Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cable Everywhere, Freiraum / quartier21, Wien.

Hier Videoaufnahmen der Ausstellung:

Ausstellung Rens Veltman Saalfelden

 


 

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