AUSSTELLUNG: GUDRUN KEMSA – „Move in Time“

Eröffnung: Freitag, 13.9.2019, 20:00 Uhr

Einführende Worte: Petra Noll-Hammerstiel, Kuratorin

Dauer: 14.9.–26.10.2019

Öffnungszeiten: Do–Sa, 17–20 Uhr sowie zu den Bürozeiten Di–Fr 9–14 Uhr (bitte nach telefonischer Vereinbarung)

 

Gudrun Kemsas Panorama-Fotoarbeiten und Videos entstehen in Metropolen in der ganzen Welt. Menschen bewegen sich auf Promenaden, Straßen und Boulevards, über Plätze, vor Architekturen wie Hochhäusern und Geschäften mit Glasfassaden oder auch vor freiem Himmel wie in der großformatigen Serie „Choreographies“. Obwohl es sich bei Kemsas Bildern um „Fotografien der Straße“ handelt, ist sie weit entfernt von der sogenannten „Street Photography“. Ihre Fotografien entstehen weder spontan wie diese, noch dokumentieren sie spezifische Stadtlandschaften oder soziale Gegebenheiten. Mit einem ganz eigenen Blick für Komposition, Bildausschnitt und Perspektive kreiert Kemsa bestechend klare, äußerst ästhetische und undramatische Bilder mit einem übergeordneten Raum-Zeit-Verständnis.

Die Zeit scheint still zu stehen und wird doch durch die Bewegung der Menschen visualisiert: Move In Time! Dadurch, dass die Fotografien grundsätzlich querformatig und häufig sehr groß sind, wirken sie wie Bilder eines Films und vermitteln den Eindruck längerer Dauer. Ebenso hat das eingesetzte Licht  nicht nur bildstrukturierenden Charakter, sondern ist, besonders durch die Schattenbildung, Indikator für zeitliche Veränderung.

Basis von Kemsas aus der Distanz aufgenommenen Fotografien ist eine zeitintensive, sorgsame Suche nach dem perfekten Ort, Zeitpunkt und Licht. Die Situationen ändern sich ständig, sodass eine lange Beobachtungszeit nötig ist. Da der finale Bildausschnitt von größtmöglicher visueller Ruhe bestimmt sein soll, gilt es störende Elemente zu vermeiden. Der spezielle Blick von Kemsa lässt den urbanen Raum fremd und unwirklich erscheinen und eröffnet die Frage nach dem Wahrheitscharakter fotografischer Bilder.

Die Serie „Choreographies“, bestehend aus Doppelbildern von je ca. zwei Metern Breite, ist an einer großen Treppenanlage im Hochhausviertel La Défense in Paris entstanden. Die Bilder wurden von unten nach oben gegen den Himmel fotografiert, sodass sich die Menschen in einem „grenzenlosen“ Raum befinden, von dem sie sich extrem absetzen und monumental wirken.

Das Medium „Video“ erlaubt es, Zeit auf andere Weise als in der Fotografie sichtbar zu machen. In ihrem nachts von einem Boot auf dem Huangpu River aus gefilmten Video der Skyline von Pudong/Shanghai, wirkt es, als sei die Architektur in Bewegung versetzt. Kemsa gelingt es, die verstreichende Zeit fühlbar zu machen und das hektische touristische Sehen in ein bewusstes Wahrnehmen zu verwandeln. Auch hier: Move in Time!

(Text: Petra Noll-Hammerstiel, Kuratorin)

 

  • © Gudrun Kemsa
  • © Gudrun Kemsa
  • © Gudrun Kemsa
  • © Gudrun Kemsa

 

Bildunterschriften:

  1. 1. „60th Street 2“, aus der Serie „Manhattan Stage“, 2016, Fine Art Pigment-Print, 45 x 90 cm
  2. 2. „Madison Avenue 2“, aus der Serie „Manhattan Stage“, 2016, Fine Art Pigment-Print, 45 x 90 cm
  3. 3. „Pudong“, 2013, Still aus: 1 Kanal-Video, HD, 15’30 min., sound: Peter Thoma, Gabriel Denhoff
  4. 4. „Scène 12_A“, aus der Serie „Choreographies“, 2005, C-Print, 84 x 198 cm
  5. 5. „Scène 12_B“, aus der Serie „Choreographies“, 2005, C-Print, 84 x 198 cm
  6. 6. „Schiffbauerdamm 1“, aus der Serie „Urban Stage Berlin“, 2009, Fine Art Pigment-Print 45 x 90 cm
  7. 7. – 10. Ausstellungsansichten, Fotos: Gudrun Kemsa
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